(Unter Verwendung des Sprachmodells Gemini)
Zum Leserbrief „Ideologien spielen eine Rolle“ von Gerd Thiele vom 19. Februar:
Der Leserbrief von Herrn Thiele, der vermutlich einer AfD-Anzeige aus 2023 entstammt, ist weit mehr als eine kritische Auseinandersetzung mit der E-Mobilität; er ist ein Paradebeispiel für den rhetorischen Werkzeugkasten des modernen Populismus. Wer anderen „Ideologie“ vorwirft, nutzt hier selbst das gesamte Besteck der Manipulation und ist nicht an einer sachlichen Debatte interessiert. Das beginnt schon bei der äußeren Form: Dieses Stakkato aus 16 Sätzen, die alle mit dem Wort „dass“ beginnen (Anapher), ist kein Zufall. Ziel ist ein Dauerfeuer an Behauptungen, das den Leser schlicht überwältigen soll (Gish-Gallop). Die schiere Menge soll Fachwissen suggerieren, doch bei genauerem Hinsehen entpuppen sich viele dieser „Fakten“ als längst widerlegt.
Nehmen wir das Beispiel von der Batterie, die angeblich alle sechs bis acht Jahre Schrott ist. Die Realität zeigt längst: Moderne Akkus halten oft länger als die Karosserie selbst. Auch die Behauptung, nur „zehn Betriebe“ in Deutschland könnten E-Auto-Brände löschen, ist eine frei erfundene Zahl (Scheingenauigkeit), die Angst schüren soll. Tatsächlich gehört der Umgang mit Hochvolt-Systemen längst zum Standard-Repertoire jeder Feuerwehr, auch hier in Hamm. Herr Thiele nutzt hier eine bewährte Taktik: Er pickt sich negative Einzelaspekte heraus und verschweigt konsequent das große Ganze (Cherry-Picking) – etwa die physikalische Tatsache, dass der Elektromotor über 90% der Energie in Bewegung umsetzt, während der Verbrenner den Großteil des Kraftstoffs einfach als Wärme verpuffen lässt.
Besonders perfide wird es bei der politischen Einordnung. Wenn Herr Thiele schreibt, Ideologien seien immer schlecht, „ob braun, ob blau oder ob grün“, ist das ein rhetorisches Ablenkungsmanöver par excellence. Hier werden demokratische Umweltziele sprachlich auf eine Stufe mit rechtsextremen Gesinnungen gestellt, um radikale Positionen in der Mitte der Gesellschaft zu normalisieren (Falsche Gleichsetzung oder False Equivalence). Diese Strategie zielt darauf ab, den technologischen Wandel als eine Art „Diktatur“ umzudeuten. Gepaart mit nationalistischen Tönen über China und Elon Musk wird ein „Wir-gegen-Die“-Szenario entworfen, das den Fortschritt zum Verrat an der deutschen Wirtschaft stilisiert (Framing). Wer so argumentiert, dem geht es nicht um das Drei-Liter-Auto, sondern um die Mobilisierung von Ressentiments durch gezielte Desinformation.
Der Leserbrief von Gerd Thiele enthält eine Mischung aus berechtigten Kritikpunkten, veralteten Daten und faktisch falschen oder irreführenden Behauptungen. Da der Brief auf den 19. Februar 2026 datiert ist, bewerte ich die Aussagen auf Basis des aktuellen wissenschaftlichen und technischen Stands (sowie der absehbaren Trends bis 2026).
Hier ist eine detaillierte Prüfung der wichtigsten Punkte:
1. Rohstoffe und Umweltbelastung
- Behauptung: Für Batterien werden „seltene Erden“ benötigt, deren Abbau die Umwelt zerstört.
- Faktencheck: Teils falsch / Irreführend. In den gängigen Lithium-Ionen-Akkus (NMC oder LFP) werden keine Seltenen Erden verwendet. Diese finden sich primär in den Permanentmagneten der Elektromotoren (z.B. Neodym). Viele Hersteller (wie BMW oder Renault) nutzen bereits Motoren ohne Seltene Erden. Der Abbau von Lithium und Kobalt verursacht jedoch tatsächlich ökologische und soziale Probleme, wobei die Industrie zunehmend auf zertifizierte Minen und kobaltfreie Batterien (LFP) umstellt.
2. Ökologischer Fußabdruck (CO2-Rucksack)
- Behauptung: Das E-Auto braucht 50.000 bis 80.000 km, um den Wert eines Benziners zu erreichen.
- Faktencheck: Größtenteils korrekt. Je nach Batteriegröße und Strommix liegt die „CO2-Amortisation“ heute meist zwischen 40.000 und 90.000 km. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien sinkt dieser Wert stetig. Über die gesamte Lebensdauer (ca. 200.000 km) ist das E-Auto in der Bilanz deutlich sauberer.
3. Lebensdauer der Batterien
- Behauptung: Batterien müssten alle sechs bis acht Jahre erneuert werden.
- Faktencheck: Falsch. Moderne Akkus sind auf 1.500 bis 3.000 Ladezyklen ausgelegt, was Laufleistungen von 300.000 bis 500.000 km entspricht. Die meisten Hersteller geben Garantien von 8 Jahren oder 160.000 km auf mindestens 70 % Kapazität. Daten aus der Praxis (z.B. Tesla-Flotten) zeigen, dass Batterien meist länger halten als das Auto selbst.
4. Feinstaub und Abrieb
- Behauptung: Höheres Gewicht führt zu mehr Abrieb und Feinstaub als beim Verbrenner.
- Faktencheck: Differenziert zu betrachten. E-Autos sind schwerer, was den Reifenabrieb erhöhen kann. Jedoch nutzen E-Autos die Rekuperation (Bremsen mit dem Motor), wodurch der Bremsstaub (eine Hauptquelle für Feinstaub) im Vergleich zum Verbrenner um bis zu 90 % reduziert wird.
5. Ökostrom bei Nacht
- Behauptung: Nachts ist kein Ökostrom vorhanden, es wird fossiler Strom genutzt.
- Faktencheck: Falsch. Windkraft weht auch nachts – oft sogar stärker als tagsüber. Da nachts die Industrie weniger Strom verbraucht, ist der Anteil an Windstrom im Netz nachts oft besonders hoch. Zudem sind E-Autos ideale Speicher für nächtliche Überkapazitäten.
6. Brandgefahr und Löschqualifikation
- Behauptung: Nur etwa zehn Betriebe in Deutschland könnten Batteriebrände löschen (Stand Ende 2025).
- Faktencheck: Falsch. Jede öffentliche Feuerwehr in Deutschland ist mittlerweile für Fahrzeugbrände (einschließlich E-Autos) geschult. Es gibt Standard-Einsatzregeln dafür. Dass nur „zehn Betriebe“ qualifiziert seien, entbehrt jeder Grundlage. E-Autos brennen statistisch gesehen zudem seltener als Verbrenner.
7. Das Transportschiff-Argument
- Behauptung: Ein Transportschiff wurde durch einen nicht löschbaren E-Auto-Brand zerstört.
- Faktencheck: Irreführend. Vermutlich ist die Fremantle Highway (2023) gemeint. Das Feuer wurde zunächst den E-Autos zugeschrieben, spätere Untersuchungen zeigten jedoch, dass das Feuer wahrscheinlich auf einem Deck mit Verbrennern ausbrach und viele E-Autos unbeschädigt blieben. Bei der Felicity Ace (2022) ist die Ursache ungeklärt, die Batterien erschwerten lediglich die Löscharbeiten.
8. Volkswirtschaftliche Kosten und Subventionen
- Behauptung: Jeder Kilometer mit dem E-Auto kostet Steuergeld, jeder mit Kraftstoff bringt welches.
- Faktencheck: Einseitig. Zwar entfällt beim E-Auto die Mineralölsteuer, aber es fallen Stromsteuer und MwSt. auf Ladestrom an. Langfristig spart die Elektromobilität Kosten durch vermiedene Umweltschäden (CO2-Preis, Gesundheitskosten durch Abgase).
9. Klimabeitrag unter 0,001 Prozent
- Behauptung: Der Beitrag zur Reduzierung des Klimawandels liegt unter 0,001 %.
- Faktencheck: Manipulativ. Dies ist eine klassische „Milchmädchenrechnung“, bei der eine einzelne Maßnahme eines einzelnen Landes gegen den globalen Effekt gerechnet wird. Wenn jedes Land so argumentiert, findet kein Klimaschutz statt. Der Verkehrssektor ist für ca. 20 % der CO2-Emissionen verantwortlich; seine Dekarbonisierung ist essenziell.
10. Das 3-Liter-Auto
- Behauptung: Man hätte den Weg des 3-Liter-Autos weiterverfolgen sollen.
- Faktencheck: Technisch schwierig. Ein 3-Liter-Verbrenner (Diesel/Benzin) stößt immer noch CO2 und Schadstoffe aus. Das Effizienzlimit des Verbrenners ist physikalisch weitgehend erreicht, während der E-Antrieb einen Wirkungsgrad von über 90 % hat (Verbrenner ca. 30–40 %).
Fazit
Der Leserbrief nutzt viele populäre Mythen, die wissenschaftlich widerlegt oder stark übertrieben sind (insbesondere zur Batterielebensdauer, Brandgefahr und Stromverfügbarkeit). Richtig ist die Kritik an der Dominanz Chinas bei den Lieferketten und die Tatsache, dass E-Autos aufgrund ihres Gewichts einen höheren Reifenabrieb haben können. Die Schlussfolgerung, der Verbrenner sei der „bessere Weg“, ignoriert jedoch die notwendige CO2-Neutralität und die überlegene Energieeffizienz des Elektroantriebs.
Der Leserbrief von Gerd Thiele ist ein Paradebeispiel für eine populistische Argumentationskette. Er nutzt eine Vielzahl rhetorischer Taktiken, um eine einseitige Sichtweise als „gesunden Menschenverstand“ darzustellen.
Hier sind die wichtigsten verwendeten Mittel:
1. Die Anapher (Wiederholung)
Das auffälligste Merkmal ist die ständige Wiederholung des Wortes „dass“ zu Beginn fast jedes Absatzes (16-mal).
- Wirkung: Dies erzeugt einen „Hammerschlag-Effekt“. Dem Leser wird suggeriert, es gäbe eine endlose Liste an unumstößlichen Fakten. Es wirkt wie eine Anklageschrift, die den Gegner (die Politik/E-Auto-Befürworter) schachmatt setzt.
2. Cherry-Picking (Rosinenpickerei)
Wie von Ihnen bereits vermutet, ist dies das Kernstück des Briefes.
- Beispiel: Er nennt den ökologischen Rucksack der Batterieproduktion (den es gibt), verschweigt aber völlig, dass ein Verbrenner über seine Lebensdauer durch die Verbrennung von fossilem Sprit ein Vielfaches an CO2 ausstößt.
- Wirkung: Durch das selektive Weglassen positiver Gegenargumente wird ein verzerrtes Gesamtbild gezeichnet, das dennoch „faktenbasiert“ wirkt.
3. Das Falsche Dilemma (Entweder-oder-Fehlschluss)
Thiele stellt Dinge als Gegensätze dar, die keine sein müssen.
- Beispiel: „Mit dem hier vergeudeten Geld besser Wälder in den Tropen vor Vernichtung schützen.“
- Wirkung: Es wird so getan, als müsse man sich zwischen E-Mobilität und Waldschutz entscheiden. Tatsächlich ist beides für den Klimaschutz notwendig. Dies lenkt von der Komplexität des Themas ab.
4. Ad Hominem & Labeling (Angriff auf die Person)
Anstatt nur sachlich zu argumentieren, wertet er Andersdenkende ab.
- Beispiel: Er bezeichnet Befürworter pauschal als „Lobbyisten und Ideologen“.
- Wirkung: Die Gegenseite wird diskreditiert. Wer für E-Autos ist, ist demnach entweder gekauft oder verblendeter Anhänger einer Ideologie, was eine sachliche Diskussion im Keim erstickt.
5. False Equivalence (Falsche Gleichsetzung)
- Beispiel: „Ideologien […] sind immer schlecht, ob braun, ob blau oder ob grün.“
- Wirkung: Hier werden politische Strömungen (Grün) mit verfassungsfeindlichen oder rechtsextremen Gesinnungen (Braun/Blau) auf eine moralische Stufe gestellt. Das ist eine massive rhetorische Eskalation, um die „grüne“ Politik als ebenso gefährlich darzustellen.
6. Scheingenauigkeit (False Precision)
Er nutzt sehr spezifische Zahlen, um Autorität vorzutäuschen.
- Beispiel: „unter 0,001 Prozent“, „etwa 15 Prozent“, „zehn Betriebe“.
- Wirkung: Zahlen wirken objektiv. Selbst wenn sie (wie im Fall der „zehn Betriebe“) völlig aus der Luft gegriffen oder unbelegt sind, erzeugen sie beim flüchtigen Leser Vertrauen in die Expertise des Autors.
7. Fear-mongering (Angstmache)
- Beispiel: Er verweist auf die Ukraine und die Angreifbarkeit des Stromnetzes sowie auf „nicht löschbare Brände“.
- Wirkung: Es werden Urängste (Krieg, Feuer, Kontrollverlust) angesprochen, um eine emotionale Ablehnung gegen die Technologie zu erzeugen, die über die rein technische Ebene hinausgeht.
8. Die „Wir-gegen-Die“-Narrative
- Beispiel: „…dass wir mit den E-Autos am meisten China und Musk helfen und nicht der klassischen deutschen Autoindustrie.“
- Wirkung: Er appelliert an den Patriotismus und das Misstrauen gegenüber ausländischen Mächten und Milliardären. Das E-Auto wird so zum „Verrat“ am deutschen Wohlstand umgedeutet.
Zusammenfassend: Der Text ist rhetorisch geschickt aufgebaut, um durch eine Flut an (teils zweifelhaften) Argumenten eine Überwältigungsstrategie zu fahren. Er zielt weniger auf einen wissenschaftlichen Diskurs ab, sondern auf die Bestätigung bereits bestehender Ressentiments.
